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Karstkundliche Bearbeitung des Kartenblattes
8019 Neuhausen ob Eck durch Freunde der Aachhöhle e.V.
     


1. Einleitung:

Die Schwäbische Alb ist eine sehr höhlenreiche Landschaft. Durch Versickerung von Niederschlägen im Untergrund und nachfolgender Auflösung des Kalkgesteins durch aggressive Kohlensäure kommt es zur Höhlen- und Dolinenbildung. Diese Landschaft nennt der Fachmann "Karst". Gemessen an der Höhlendichte ist das Kartenblattes 8019 Neuhausen ob Eck eines der unbedeutensten auf der Schwäbischen Alb. Aktuell sind gerade einmal 10 Kleinhöhlen bekannt, von denen keine die 15 m - Marke überschreitet. Warum dann überhaupt eine karstkundliche Bearbeitung? Es gibt zwei gute Argumente dafür:

a) Lage im Einzugsgebiet des Aachtopfs Etwa 82 % der Fläche des Kartenblattes entwässern direkt zum Aachtopf, der nach Fläche des Einzugsgebietes (~250 km2) und Schüttung (im Mittel 8800 l/sec) grössten Karstquelle Deutschlands. Mit anderen Worten heisst das, dass 115 km2 - also etwa 46 % des gesamten Einzugsgebietes des Aachtopfs - im Kartenblatt 8019 Neuhausen ob Eck liegen. Das ist ein weit höherer Anteil als in jedem anderen Kartenblatt! Eine Verbindung zum riesigen Karsthöhlensystem der Aachtopfhöhle ("Unterirdische Donau") konnte bisher noch nicht hergestellt werden, ist aber höchstwahrscheinlich vorhanden.

b) Punktuelle Versickerung des Oberflächenwassers in Ponordolinen Pleistozäne Schlufflehme von nur wenigen Metern Mächtigkeit sorgen dafür, dass im Gegensatz zu vielen anderen Karsthochflächen auf der Schwäbischen Alb die Niederschläge nicht sofort diffus im Untergrund versickern, sondern auf dem wasserundurchlässigen Untergrund über zum Teil viele Kilometer in einem wohlausdifferenzierten Grabensystem transportiert werden. Schliesslich wird dieses Oberflächenwasser an Schwächezonen von sogenannten Ponordolinen aufgenommen, die das Wasser konzentriert in den Untergrund leiten. Färbeversuche in vielen dieser Dolinen konnten zeigen, dass das Wasser mit hoher Geschwindigkeiten von zum Teil mehreren 100 m pro Stunde dem Aachtopf zufliesst. Die Anzahl der Ponordolinen - also der Dolinen in denen zumindest zeitweise kleine Bäche versickern - ist im Kartenblatt 8019 so gross wie in keinem anderen Kartenblatt auf der Schwäbischen Alb. Momentan sind 32 Ponordolinen erfasst, in vielen davon versickert auch bei grosser Trockenheit permanent Wasser. Die bekanntesten Ponordolinen sind die Wasserfalldoline ca. 3 km SO von Neuhausen und die Harresser Erdfälle ca. 3 km O von Neuhausen direkt an der B311.

2.
Geschichte der Karstforschung im Kartenblatt 8019 Bereits zum Beginn der 80-er Jahre wurden von den Gebrüdern Striebel (Höhlenforschungsgruppe Blaustein) die Felsenstube (8019/01) und die Harresser Erdfälle dokumentiert. Im weiteren Verlauf wurde mit dem Aufbau eines Dolinenkatasters begonnen. Weiterhin wurde 1986 der inzwischen wieder aufgefüllte Schwandorfer Erdeinbruch (8019/02) mit einer ehemaligen Tiefe von sechs Metern, durch Hans Martin Luz bearbeitet. Viele Jahre blieb es nun recht ruhig im Kartenblatt, bis im Jahr 2002 mit den Arbeiten von Florian Renz und Asmus Renfer von der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten eine neue Forschungsperiode begann, die zur Entdeckung von immerhin 5 neuen Kleinhöhlen führte. 2004 schloss sich eine Gruppe um Dr. Jürgen Bohnert (Arge 8019) den laufenden Forschungen an. Der aktuelle Schwerpunkt liegt auf der systematischen Begehung des Kartenblattes, um eine möglichst grosse Vielzahl von Karstobjekten (vor allem Höhlen und Dolinen) aufzunehmen.

3.
Aktueller Stand der Forschung im Kartenblatt 8019 Stand Mai 2005 sind insgesamt 10 Höhlen und 32 Ponordolinen dokumentiert worden (siehe Abb. 1). Leider sind einige der Dolinen stark vermüllt, was insbesondere bei den Ponordolinen, die direkt in das Karstgrundwasser entwässern und es damit verunreinigen, sehr problematisch ist. Durch eine enge Zusammenarbeit mit den zuständigen Umweltbehörden versuchen wir, auf diese Problematik zu reagieren.

4.
Bitte um Mithilfe bei der karstkundlichen Bearbeitung des Kartenblattes 8019! Auch durch noch so intensive Oberflächenbegehung des Kartenblattes 8019 Neuhausen ist es prinzipiell unmöglich, alle interessanten Karstobjekte kennenzulernen. Wir sind deshalb auf die Mithilfe heimatkundlich interessierter Bürgerinnen und Bürger vor Ort angewiesen, ohne die uns so manches Objekt zweifellos verborgen bleibt. Sollten Sie Hinweise auf aktuell noch vorhandene oder auch ehemalige Höhlen oder Ponordolinen haben, die in untenstehender Karte noch nicht eingezeichnet sind, so bitten wir Sie um Meldung an

Ansprechpartner: Dr. Bohnert

Sie können uns auch gern eine Mitteilung zukommen lassen, wenn Sie an einer kontinuierlichen Mitarbeit in unserer Projektgruppe oder an einem Vortrag über die Erforschung der unterirdischen Wasserwege der Südwestalb interessiert sind.

Kontaktformular


Abb. 1:

Höhlen (blaue Symbole), Trockene Dolinen (gelbe Punkte) und Ponordolinen (rote Punkte)
im Kartenblatt 8019 (Stand Mai 2005)



Abb. 2:

Bislang begangene Gebiete im Kartenblatt 8019 (Stand Mai 2005)



Mit freundlicher Genehmigung durch das Landesvermessungsamt Baden-Württemberg

Grundlage: Topographische Karte 1:100 000
© Landesvermessungsamt Baden-Württemberg